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Bild2 PM Landvolk ber 800 km mit nur 40 kmhHeimische Landwirte unterstützen Proteste in Koblenz / Empfang mit Treckern und Bratwurst. Mit 15 Treckern begrüßten die Landwirte die vier heimkehrenden Kollegen.

 

 Wer es auf sich nimmt, 800 Kilometer weit zu fahren mit einem Fahrzeug, das maximal nur 40 km/h schnell ist, muss einen guten Grund haben. Landwirte aus dem Kreis Diepholz haben diese Reise auf sich genommen und sind mit ihren Treckern 430 Kilometer weit bis nach Koblenz gefahren. Dort trafen sich Anfang der Woche auf Einladung von Bundeslandwirtschaftsministerin Juli Klöckner die EU-Agrarminister. Begleitet von Protesten von tausenden von Bauern aus Deutschland und der EU. „Da waren Berufskollegen aus Schleswig-Holstein oder aus Südbayern, die haben 800 Kilometer für eine Strecke zurückgelegt“, berichtet ein Teilnehmer aus Stuhr, der mit seinem Trecker in Koblenz war. Zudem demonstrierten auch Bauern aus Holland, Frankreich und Österreich Seite an Seite mit ihren deutschen Kollegen. „Toll wie der Berufsstand zusammenhält“, ergänzt ein weiterer Teilnehmer. Den Landwirten ginge es darum, die Landwirtschaftspolitik europaweit wieder an Fakten und für die heimische Lebensmittelerzeugung auszurichten. „Die Politiker in Deutschland und Europa treffen Entscheidungen in der Landwirtschaftspolitik ohne fachliche Grundlage. Das geht so nicht!“, betonen die vier Landwirte aus Stuhr, Weyhe und Syke, die in einem Konvoi mit 35 Treckern aus dem Raum Oldenburg/Delmenhorst/Stuhr am Sonntag nach Koblenz aufgebrochen waren. Als sie am Dienstagabend wieder im Kreis Diepholz eintrafen, wurden sie von gut 25 Landwirten mit 15 Traktoren an der B 51 empfangen.  „Wir wollen die Kollegen unterstützen, die extra nach Koblenz gefahren sind und Danke sagen für Ihren Einsatz“, so Luka Dorsch. Der Junglandwirt aus Hemsloh hatte den Empfang der Berufskollegen spontan organisiert. Die Landwirte begrüßten die Heimkehrer herzlich mit Bratwürsten von einem improvisierten Grill in einer Treckerschaufel. Viele Landwirte wären gerne in Koblenz dabei gewesen, aber die Arbeit auf dem Hof hielt sie davon ab. „Ich hätte Frau Klöckner gerne gefragt, ob sie heimischen Bauern überhaupt noch haben will“, erzählt ein Landwirt, der in Koblenz dabei war. Ob die Proteste ein Umdenken in der Politik erreichen können, wissen die Landwirte nicht zu sagen. „Die vielen Bauern in Koblenz haben schon Eindruck gemacht und Frau Klöckner konnte ihre europäischen Kollegen keine idyllische Fahrt auf der Mosel bieten. Rechts und links standen Traktoren, die gehupt haben“, so der Bericht eines Teilnehmers in Koblenz. Die Landwirte betonen, dass es für sie um die Existenz ihrer Höfe gehe, wenn die Ministerinnen und Minister über die EU-Agrarpolitik reden. Faire Ausgleiche für Auflagen, gleiche Wettbewerbsbedingungen und gleiche Standards im europäischen Markt seien die zentralen Ziele von denen die EU-Politik zum bedauern der heimischen Bauern aber noch weit entfernt sei.  

Bild PM Landvolk Landwirte untersttzen Niederschsischen Weg

Vereinbarung zwischen Landvolk, Landwirtschaftskammer, Landesregierung, Nabu und BUND zum Artenschutz / Über 19.000 Hektar Maßnahmen im Landkreis Diepholz.Theo Runge an einer Blühfläche. Flächen wie diese werden im Niedersächsischen Weg zu einem Biotopverbund ausgebaut.

 
Wie geht die Entwicklung in der Landwirtschaft für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz weiter? Wie kann die Politik und auch die Gesellschaft die Bemühungen der Landwirtinnen und Landwirte unterstützen? „Als leistungsfähige Landwirtschaft bringen wir uns in Niedersachsen für mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz ein und wollen aktiv mitgestalten. Deshalb haben wir den Niedersächsischen Weg gewählt“, sagt Theo Runge. Dem Vorsitzenden des Landvolkes Diepholz ist klar, dass diese Vereinbarung zwischen dem niedersächsischen Landwirtschafts- und dem Umweltministerium, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dem Nabu und dem BUND sowie dem niedersächsischen Landesbauernverband bei den Landwirten zu Anfang durchaus Bedenken hervorgerufen hat und mit Ängsten verbunden war. „Wir haben mit diesem historischen Schritt aber zweifelsfrei den besseren Weg gewählt, um mehr Qualität im Natur- und Artenschutz mit der Landwirtschaft zu erreichen“, betont er. „So können wir den weiteren Prozess aktiv mitgestalten. Für uns Bauern ist es wichtig, dass die Politik zugesagt hat, zusätzliche Leistungen der Landwirte auch entsprechend zu bezahlen.“ Runge betont: „Die Corona-Krise hat uns allen neu vor Augen geführt welchen Wert die heimische Lebensmittelerzeugung hat. Daher müssen alle Maßnahmen zum Artenschutz auch damit einen Ausgleich finden.“

Landwirte engagieren sich gerne für den Erhalt der Artenvielfalt, denn schließlich leben sie mit und von der Natur. Zu den zahlreichen freiwilligen Maßnahmen kommen auch jene, die über die EU-Agrarförderung bezahlt werden, wie beispielsweise Blühflächen. „Das ist gerade für die kleinen und mittleren Betriebe wichtig. Die Landwirte verdienen ihr Geld normalerweise mit dem Anbau von Weizen, Kartoffeln oder Mais, nicht aber mit Kornblume oder Phacelia“, betont hierzu auch Landvolk-Geschäftsführer Dr. Jochen Thiering. Dennoch kann sich die Bilanz der Landwirte des Landkreises Diepholz sehen lassen: 19.163 Hektar ökologische Maßnahmen zählte die Landwirtschaftskammer im vergangenen Jahr. Darunter 530 Hektar Brachen und 223 Hektar Blühflächen und Feldrandstreifen sowie 69 ha Landschaftselemente wie Hecken, Baumreihen, Knicks, Gehölze und Feuchtbiotope. Das liegt laut Dr. Thiering auch daran, dass das Bewusstsein seitens der Landwirte für den Artenschutz größer geworden ist und dass mehr Fördermittel zur Verfügung gestellt werden. Der Niedersächsische Weg sieht hier die Einrichtung eines landesweiten Biotopverbunds vor. Zudem sollen Gewässerrandstreifen verbreitert, der Pflanzenschutzmitteleinsatz reduziert und die Ökolandbau-Quote erhöht werden.

Ganz wichtig für das Landvolk ist, dass der Niedersächsische Weg – entgegen oftmals anderslautender Formulierungen – nach der gemeinsamen Ausgestaltung der Vereinbarung in konkreten Gesetzen, die einen finanziellen Ausgleich garantieren, münden wird. Aktuell wird in den Arbeitsgruppen „Wasser“, „Umwelt“ und „Landwirtschaft/Wald“ unter Beteiligung des Landvolkes und der Landwirtschaftskammer der größte gemeinsame Nenner erarbeitet. Bis zum Herbst sollen die Gesetzesvorschläge vorliegen und dann in die parlamentarische Beratung gehen. „Dann werden wir die ersten Ergebnisse haben und sehen können, wie wir diese umsetzen. Denn wie es klappt, sieht man nur vor Ort und nicht von einem Schreibtisch im Ministerium aus“, unterstreicht Theo Runge. Der Landwirt aus Drebber sieht in dem Kompromiss des Niedersächsischen Weges die Chance, Erwartungen der Gesellschaft, fachliche Kompetenz und Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft zu vereinen.  „Radikalpositionen helfen nicht weiter, dass haben die Akteure fast alle erkannt“, so der Landvolk-Vorsitzende.

Dass der Nabu trotz seiner Unterschrift unter den Niedersächsischen Weg parallel Unterschriften für das von den Grünen initiierte Volksbegehren sammelt, stößt allerdings bei vielen Landwirten auf Unverständnis. „Der Nabu Landesverband verhält sich hier wie ein frisch Verlobter, der trotzdem noch auf allen Dating-Portalen aktiv ist“, zieht Geschäftsführer Dr. Thiering den Vergleich. Die Landvolk-Vertreter zeigen sich aber sicher, dass das Volksbegehren nicht zustande kommen wird. „Die Leute fragen genauer nach und durchschauen die politische Vereinnahmung. Zudem wird, wenn im Herbst die konkreten Gesetze da sind, dem Volksbegehren endgültig der Wind aus den Segeln genommen. Warum sollte man ein Begehren für etwas unterstützen, was schon längst passiert?“, betont Theo Runge abschließend.

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